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Johann Wolfgang von Goethes Leiden des jungen Werthers werden zu einem Welterfolg. Für Anne Louise Germaine de Staël ist Werther der Repräsentant der einzig wahren Liebe, Charles François Dominique de Villers bewundert dessen „Sehnsucht, Ahndung, Schwärmerei“, Stendhal benennt das Phänomen der deutschen Liebe erstmals konkret als „Amour à la Werther qui ouvre l’âme à tous les arts.“ In dem Wunsch, ihrer Heimat Frankreich ein Modell der Ergänzung oder gar, wie Villers, des Ersatzes vorzuführen, übertragen diese Autoren das „romantische“ Liebeskonzept des Werthers auf seinen Schöpfer und die Deutschen, was die Enttäuschung de Staëls nach ihrer Bekanntschaft mit Goethe im Dezember 1803 erklärt: „Goethe n’est pas Werther; il engraisse.“ Mildner geht einem bisher kaum wahrgenommenen Phänomen der Liebeskonzeptionen um 1800 nach: Diese wurden jeweils mit Blick auf den Anderen entwickelt. Die Darstellung und Deutung der Liebe wird zu einer Art Streitpunkt im Austausch deutscher und französischer Autoren. Die bei diesem „geistigen Handelsverkehr“ auftretenden, aus Stereotypen der Fremdwahrnehmung resultierenden Missverständnisse sind wesentlicher Teil der Interaktion. Indem Goethe, Villers, de Staël und Stendhal die Images zwar aufnehmen, aber unterlaufen, stellen sie Liebe viel komplexer dar, als eine oberflächliche Betrachtung des Nationalitätendiskurses vermuten lässt.
Dr. Susanne Mildner, geboren am 22.12.1980 in Berlin Buch, studierte Literatur-, Politik und Medienwissenschaften an der Universität Potsdam. 2011 verteidigte sie ihre im Rahmen eines gemeinsamen Promotionsverfahrens der Sorbonne Paris und der Universität Potsdam geschriebene Dissertation zur Amour à la Werther: Blickwechsel auf einen deutsch-französischen Mythos. Mildner ist Potsdamer Nachwuchswissenschaftlerin des Jahres 2011.
Dr. Susanne Mildner Kyffhäuser Str. 10 10781 Berlin Tel: 01741947661 E-Mail:
Zeit der Vorlesung: 23. Februar, 19.30 Uhr Ort der Vorlesung: in der Reithalle im Hans-Otto-Theater in der Schiffbauergasse 11, 14467 Potsdam Der Eintritt beträgt 3 €, ermäßigt 2 €.
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