
Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten
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Neueste Forschungsergebnisse und Messungen machen es deutlich: Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich die Arktis gegenwärtig besonders rasch erwärmt; und zwar doppelt so stark wie die Erde im globalen Mittel. Schiffs- und Landexpeditionen, Stationsdaten und Satellitenbeobachtungen liefern Hinweise auf signifikante Änderungen in der Meereisbedeckung, auf zunehmendes Abtauen der Eisschilde und eine verstärkte Erwärmung und Reduzierung dauerhaft gefrorenen Untergrunds (Permafrost), mit deutlichen Konsequenzen für das Klima und die Umwelt unserer Erde.
Permafrost ist am weitesten in den hohen Breiten der Nordhalbkugel verbreitet, wo er Mächtigkeiten von über 1000 m erreicht und den gesamten Arktischen Ozean umrahmt. Zudem tritt Permafrost auch in zahlreichen Hochgebirgen sowie in den wenigen unvergletscherten Gebieten der Antarktis auf. Insgesamt wird ungefähr ein Viertel des Festlandes weltweit von Permafrost unterlagert. In der russischen Föderation nimmt er sogar mehr als die Hälfte des Territoriums ein.
Im Zuge der arktischen Klimaerwärmung liegt neben einer dramatischen Landschaftsveränderung der Permafrostgebiete eine bislang oft unterschätzte Gefahr in der Freisetzung von großen Mengen an Spurengasen, wie Methan und Kohlendioxid. Die Permafrostgebiete stellen ein immenses, über Jahrtausende angereichertes Kohlenstoffreservoir dar, welches durch das zunehmende Auftauen der Permafrostböden angezapft wird. Die Mobilisierung der Kohlenstoffgase erfolgt durch verstärkte mikrobielle Aktivität in den expandierenden Feuchtgebieten der Tundra, durch Küstenabtrag und durch die Destabilisierung von tiefgefrorenen Methanablagerungen (Gashydrate) im tiefen Untergrund. Die Freisetzung derartiger Gase verstärkt den atmosphärischen Treibhauseffekt und führt in schlimmster Konsequenz zu einer noch stärkeren Klimaerwärmung. Dieses Phänomen wird von Klimaexperten als ein typisches Beispiel einer positiven Rückkopplung im Klimasystem erachtet, womit gemeint ist, dass möglicherweise die durch die Erwärmung ausgelösten veränderten Umweltprozesse im Permafrost zu einer Selbstverstärkung des globalen Erwärmungstrends führen können.
Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten
ist Forschungsstellenleiter des renommierten Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung (AWI) auf dem Potsdamer Telegrafenberg und C4-Professor für Isotopengeologie an der Universität Potsdam, wo er auch das Thema Permafrostforschung als Alleinstellungsmerkmal in der bundesdeutschen Universitätslandschaft im Masterstudiengang vertritt. Seit 2008 ist er zudem Präsident der Internationalen Permafrost-Vereinigung (IPA) und war 2005 Gastgeber und Veranstalter der internationalen europäischen Permafrostkonferenz in Potsdam.
Er hat an den Universitäten Tübingen und Karlsruhe Mineralogie studiert und in Karlsruhe promoviert und sich habilitiert. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt an der Universität von Nuevo Leon in Linares in Mexiko, wo er federführend Aufbauhilfe bei der Einrichtung eines Geowissenschaftlichen Institutes leistete, kam er 1986 als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Hauptsitz des AWIs nach Bremerhaven. Seit der Gründung im Jahre 1992 leitet er die Potsdamer Forschungsstelle des AWIs und hat seit dieser Zeit gemeinsam mit seinen Mitarbeitern/innen eine große Zahl an bundes- und EU-geförderten Forschungsprojekten in Grönland, Sibirien, in der nordamerikanischen Arktis sowie in der Antarktis initiiert. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und drei Enkelkinder.
Zeit der Vorlesung: 06. Mai, 11.00 Uhr Ort der Vorlesung: Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam. Der Eintritt beträgt 3 €, ermäßigt 2 €.
Kontakt: Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten Telegrafenberg A43 D-14473 Potsdam (Building A43-121) Tel: +49(331)288-2100/2136 Fax: +49(331)288-2137
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