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MAZ vom 30. Mai 2011
Alien-Schleim und Robo-Kicker
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Die elfte Lange Nacht der Wissenschaften zog in Brandenburg und Berlin mehr als 30 000 Besucher an

POTSDAM - Lems Torjägerqualitäten lassen zu wünschen übrig. Ein, zwei Mal tritt der Robo-Kicker, benannt nach Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem, ins Leere und verfehlt den Fußball aus Styropor. Das Publikum auf dem Campus Golm der Universität Potsdam ist dennoch begeistert. Da will sich Lem nicht lumpen lassen: Er hebt die Arme, fast so, als würde er sich bejubeln lassen, als würde er die umstehenden Menschen animieren wollen. Physikstudent Toni Luhdo muss schmunzeln. „Meine Kollegin Anja Reuther hat ihm offenbar ein gesundes Ego programmiert“, sagt er.

Lem ist ein humanoider Roboter, seine Gelenke und Gliedmaßen sind dem Menschen nachempfunden. Gesteuert wird er über eine Fernbedienung – die Null für Radschlag, die Sechs fürs Treppensteigen, die Fünf fürs Schießen mit Anlauf. Er war einer der Hingucker auf der elften Langen Nacht der Wissenschaften, die am Samstagabend über 30 000 Besucher anzog. An den 68 Wissenschaftseinrichtungen in Brandenburg und Berlin seien zwischen 17 Uhr und ein Uhr insgesamt 184 000 Besuche gezählt worden, teilten die Veranstalter mit.

Wem der Magen knurrte, der konnte sich in Golm an einer ungewöhnlichen Spezialität stärken: Alien-Schleim. Oder, um es wissenschaftlicher auszudrücken: Methylcellulose gemischt mit Waldmeister und Zucker. Eine grüne, glibberige Substanz, die früher auch in Hollywood verwendet wurde, um Außerirdische darzustellen, erklärt André Gomoll vom Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung. Heutzutage hilft sie, dass Marmelade beim Erhitzen im Backofen nicht zerläuft. Die achtjährige Isabella Marie Beeskow aus Beelitz (Potsdam-Mittelmark) nimmt all ihren Mut zusammen und probiert. „Na, schmeckt's?“, fragt sie Gomoll. „Ja, lecker“, antwortet Isabella Marie. Doch nicht jedem mundet die grüne Glibberspeise: „Ich muss zugeben, die Meinung zum Geschmack ist bei den Kindern geteilt“, sagt Gomoll.

Erstmals bei der Langen Nacht vertreten und gleich beliebt beim Publikum waren die Sportmediziner der Hochschulambulanz. „Gesundheit und Bewegung fasziniert die Menschen“, sagt Steffen Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Biomechanik. Gemeinsam mit Fanny Fischer, der Olympiasiegerin und dreifachen Weltmeisterin im Kanurennsport, demonstrierte er die Funktionsweise eines Isokinet, mit dessen Hilfe die Kraft der Bauch- und Rückenmuskulatur ermittelt werden kann. Das helfe nicht bloß Leistungssportlern, so Müller: „Wenn jemand an chronischen Rückenschmerzen leidet, können wir herausfinden, ob das an einer zu wenig ausgeprägten Muskulatur liegt.“

Stunden später ist auch Lem ein Fall für die Ambulanz. Beim Radschlag wirkt er unbeholfen. Das Treppensteigen, die Königsdisziplin für jeden Roboter, habe zu viel Energie gekostet, vermutet Anja Reuther. Der Akku schaffe es nun nicht mehr, alle 24 Motoren zu bedienen. Ihr Kollege Toni Luhdo hat die Lösung parat: „Lem will schlafen gehen“, sagt er. So eine Lange Nacht kann schließlich auch ganz schön schlauchen. (Von Philip Häfner)

 

 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung







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