POTSDAM / NAUENER VORSTADT - Im Kaffee und im Bier haben wir ihn gern, bitteren Geschmack, ansonsten mögen es die meisten von uns eher süß, was ungesunde Ernährung oft begünstigt. Die Ernährungswissenschaftlerin Anne Brockhoff hat jetzt gewissermaßen das Mittel gegen die Bitterkeit gefunden – und dafür den mit 5000 Euro dotierten Potsdamer Preis für Nachwuchswissenschaftler erhalten.
Die Preisträgerin wurde von einer fünfköpfigen Jury unter Vorsitz von Oberbürgermeister Jann Jakobs aus 15 Bewerbern ausgewählt. Jakobs gab gestern zu, dass er den wissenschaftlichen Mitgliedern des Ausschusses, darunter zum Beispiel die Professoren Rolf Emmermann vom Geoforschungszentrum und Reinhard Lipowsky vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, gerne das letzte Wort überließ. „Ein Oberbürgermeister muss ja nicht alles können“, so Jakobs. Also auch nicht jedes Detail der komplexen Doktorarbeit von Anne Brockhoff verstehen.
Die 31-Jährige hat sich mit der Struktur und Funktion von Rezeptoren für bittere Geschmacksstoffe beschäftigt. Das Thema habe sich durch Zufall ergeben, erklärte Brockhoff gestern. Nach ihrem Studium der Ernährungswissenschaften in Jena kam sie nach Potsdam, um ihre Diplomarbeit am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (Dife) zu schreiben. Danach sei sie in der Dife-Abteilung „Molekulare Genetik“ von Wolfgang Meyerhof gewissermaßen auf die Bitterstoffe angesetzt worden und schließlich auf den Geschmack gekommen. In ihrer Doktorarbeit zeigt Brockhoff unter anderem, wie die Wechselwirkungen zwischen Bitterstoffen und Nervenzellen funktionieren. Andere internationale Wissenschaftler hätten sich an diese Aufgabe nicht herangetraut, sagte Meyerhof, der die Doktorarbeit betreut hat. Außerdem habe seine Mitarbeiterin neuartige Bitterblocker identifiziert, die zur Geschmacksverbesserung von gesunden Lebensmitteln und Medikamenten eingesetzt werden können oder aber, um den bitteren Beigeschmack von Süßstoffen in Erfrischungsgetränken auszugleichen.
Mit dem Preis wolle man auch dazu beitragen, dass sich Nachwuchswissenschaftler in der Landeshauptstadt gut aufgehoben fühlen, sagte Jann Jakobs. „Ich hoffe, dass sich Frau Brockhoff dreimal überlegt, ob sie weggeht.“ Für die nächsten zwei Jahre werde sie Potsdam erhalten bleiben, versicherte diese. So lange läuft ihr Vertrag am Dife. (ang)
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