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Alljährlich im Herbst besuchen rund 2000 Mädchen und Jungen die Vorlesungen der Potsdamer Kinderuni. In den PNN gibt es jetzt die Vorträge von Wissenschaftlern der Universität Potsdam zum Nachlesen. Heute erklären die Sportwissenschaftler Prof. Dr. Markus Gruber und Dr. Tom Krüger, warum sich sportliche Bewegung auch positiv auf das Denken auswirken kann.
Auf Bäume klettern, am Seil hangeln, auf der Bordsteinkante balancieren – welches Kind mag das nicht? Gewiss sitzt man auch gern mal vor dem Fernseher oder vergisst beim Computerspiel die Zeit. Irgendwann aber will sich jedes Kind wieder bewegen, herumtoben, Fahrrad fahren oder Fußball spielen. Warum ist das so?
Weil der Mensch schon seit Urzeiten immer in Bewegung ist. Gingen unsere Vorfahren auf Nahrungssuche, mussten sie zum Pilzesammeln und Beerenpflücken weite Strecken umherwandern. Bei der Jagd nach Tieren kam es auf Schnelligkeit an. Und drohte Gefahr, ein Feuer zum Beispiel, mussten die Menschen fliehen können. All diese Fähigkeiten sind in uns angelegt. Das heißt jedoch nicht, dass wir sie ganz automatisch beherrschen. Auf zwei Beinen stehen, das Gleichgewicht halten und die ersten Schritte gehen, das will in frühen Jahren gelernt sein.
Später dann macht die Übung den Meister. Wer sich viel bewegt, wird sicherer und wendiger. Kinder, die gern und oft Ball spielen, bekommen außerdem ein schnelleres Handlungsvermögen. Sie können gleichzeitig umherschauen und fangen oder werfen. So trainieren sie nicht nur ihren Körper, sondern auch die Koordination zwischen Kopf und Hand oder Fuß. Solche und andere Sportspiele sind wichtig für die Entwicklung des Gehirns und die Vernetzung der Nervenzellen untereinander.
Und dann liefert der Sport natürlich lebenswichtige Nahrung für den Kopf. Das Herz schlägt schneller und pumpt mit dem Blut Sauerstoff und Nährstoffe ins Gehirn. Der gesamte Stoffwechsel kommt auf Touren. Hormone werden freigesetzt. Das sind Botenstoffe, so etwas wie Nachrichtenübermittler, die dafür sorgen, dass alle Organe im Körper richtig funktionieren. Manche von ihnen machen regelrecht glücklich. Deshalb fühlen sich viele nach dem Sport so wohl und können sich wieder gut konzentrieren. Manche Kinder, die in der Schule während der Hofpause herumtoben und Fange spielen, kennen dieses Gefühl. Nach der Bewegung fällt es ihnen oft leichter, im Unterricht wieder stillzusitzen, aufmerksam zuzuhören und besser mitzudenken.
Das funktioniert übrigens nicht nur, wenn man jung ist. Auch viele Erwachsene treiben regelmäßig Sport, weil sie auf diese Weise Kraft tanken und die „Glückshormone“ sie fröhlich stimmen. Sogar mit 60, 70 Jahren oder darüber hinaus kann man noch aktiv sein und damit sein Leben verändern. Für Kinder ist es wichtig, Sport nicht als Quälerei zu empfinden. Spaß soll es machen, egal wie gut man ist. Wettkämpfe können einen anspornen. Aber es ist nicht so bedeutsam, der oder die Beste zu sein, weil es ja auch immer jemanden gibt, der schneller laufen, höher springen und weiter werfen kann. Der Weltrekord im Hochsprung zum Beispiel liegt bei den Männern bei 2,45 Meter. Das ist sehr hoch. Manche Tiere aber können nur müde darüber lachen. Am meisten erstaunlicherweise ein sehr kleines Tier. Aus der Ruhe heraus besitzt ein Floh das 135-fache seines Eigengewichtes an Sprungkraft, der Mensch hingegen nur das Zweifache. Oder der Puma: Ohne mit der Wimper zu zucken könnte er auf einen Balkon im zweiten Stock springen. Beim Wettlauf sieht es nicht anders aus. Ein Gepard erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 110 Kilometern in der Stunde!
Im Vergleich zwischen Mensch und Tier aber gibt es einen entscheidenden Unterschied. Die Vierbeiner kontrollieren ihre Bewegung zu einem großen Anteil über das Rückenmark, wir Menschen tun dies verstärkt über Strukturen in unserem Gehirn. Deshalb auch können wir mit dem Sport unsere Gehirnfunktionen beeinflussen.
„Schneller, höher, weiter – wer Sport treibt, wird gescheiter“, ist also nicht einfach nur ein Spruch. Wer es ausprobiert, kann sich schon bald seinen eigenen Reim darauf machen.
Aufgeschrieben von Antje Horn-Conrad
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