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MAZ vom 09. Juni 2010
STADTFILM: Ein Tafelservice für die Siegerinnen
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Potsdam-Premiere für die Dokumentation „Die schönste Nebensache der Welt“ über Frauenfußball


POTSDAM / INNENSTADT - Wie sich die Zeiten doch ändern. Mitte der 1950er Jahre belegte der Deutsche Fußballbund (DFB) das Vereinskicken der Damen noch mit einem Verbot, das erst 1970 aufgehoben wurde. Heute hingegen lobt DFB-Chef Theo Zwanziger die Fußballerinnen gar überschwänglich, sie hätten dank ihres Spiels „die Welt entscheidend verbessert“. Zwanzigers Kommentar leitet die unterhaltsame Dokumentation „Die schönste Nebensache der Welt“ ein. Tanja Bubbels Film über die Historie des deutschen Frauenfußballs ist der erste von vier Beiträgen aus dem Stadtfilmprojekt, der am Montagabend im Filmmuseum Potsdam-Premiere feierte. Die Regisseurin konnte den Applaus wegen der Arbeit an neuen Projekten leider nicht genießen.

Wie berichtet, hatte Stadtfilmemacherin und Kamerafrau Jana Marsik („Lippels Traum“) drei Dokumentationen und einen Spielfilm von Studierenden der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) betreut, die sich Potsdam als „Stadt der Wissenschaft“ näherten. Von ebenjener gescheiterten Titel-Bewerbung war das Stadtfilm-Vorhaben übrig geblieben. Beim HFF-Hochschultag im vergangenen Juli wurden Ausschnitte gezeigt. Im Filmmuseum war jetzt die komplette 56-minütige Dokumentation zu sehen.

Tanja Bubbel besuchte Frauen aus dem Ruhrgebiet, die in den 1950er Jahren als Exotinnen“ galten, jedoch nicht minder leidenschaftlich gegen das runde Leder traten als ihre Kolleginnen Jahre später. Sportreporter nennen die Kickerinnen nicht mehr abschätzig „Amazonen“ oder „Fußball-Suffragetten“, als Abwehrspielerin Petra Landers mit der SSG 09 Bergisch-Gladbach mehrfach die Deutsche Meisterschaft holt. Lachend zeigt sie Bubbel das Tafelservice, das es als Siegprämie für den Gewinn der Europameisterschaft 1989 gab. Zu diesem Zeitpunkt wird der DDR-Frauenfußball längst von Turbine Potsdam dominiert – damals wie heute unter Trainer Bernd Schröder (67). „Es ist beruhigend und beängstigend zu sehen, dass sich der Trainer nicht verändert hat“, grinste Turbine-Kapitänin Jennifer Zietz nach dem „schönen, lustigen“ Film. Schröder gilt als „harter Hund“. So sind denn auch in der „Schönsten Nebensache...“ Spielerinnen zu sehen, denen der Trainer Lkw-Reifen an die Hüften bindet, um sie damit über den Platz zu hetzen.

Der einzige Spielfilm des Stadtfilmprojekts erlebt beim Filmfest München (25. Juni bis 3. Juli) seine Uraufführung. „Rheingold“ streift Debatten zu Genetik, Sterbehilfe, Globalisierung. Am 12. September wird „Östlich der Sonne“, eine Dokumentation über eine Nordsibirien-Expedition des Potsdamer Alfred-Wegener-Instituts, in der Reihe „Potsdamer Köpfe“ präsentiert. Über das Entstehen von Bildern wird in „Mutmaßungen über die Welt“ philosophiert. Dieser Beitrag ist noch nicht fertig. (Von Ricarda Nowak)

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung







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