Einer der 24 Spektrographenköpfe bei der Montierung am AIP. Foto: Rainer Arlt/AIP
Der 3D Spektrograph. Foto: ESO/CRAL
Für den
Multi Unit Spectroscopic Explorer (MUSE), ein zukünftiges Instrument am Very
Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO), wurden die ersten
der in Serie produzierten 3D-Spektrographen fertig gestellt. Wissenschaftler und
Ingenieure der ESO, des Centre de Recherche Astrophysique de Lyon (CRAL) und
des Astrophysikalischen Instituts Potsdam (AIP) entwickelten diese neuartigen
Instrumente und konnten nun bei erfolgreichen Tests damit Spektren erzeugen,
die eine besonders hohe Bildqualität sowie die überragende Empfindlichkeit des
Systems bestätigen. „Nach
vielen Jahren harter Arbeit sind wir sehr zufrieden, dass der Traum
Wirklichkeit wird“, sagt Dr. Roland Bacon vom CRAL, der die Entwicklung der
Instrumente leitet. „Das MUSE Konzept, das erstmals die Serienproduktion von
Spektrographen vorsieht, ist neu in der optischen Astronomie und bahnbrechend in
Hinblick auf die nächste Generation von Instrumenten für das VLT sowie auch für
das geplante European Extremely Large Telescope.“
MUSE ist
ein Hightech-3D-Spektrograph mit großem Gesichtsfeld, der zeitgleich
mosaikartig Spektren von vielen benachbarten Regionen am Himmel aufzeichnet. 3D-Spektrographen
vermessen das Universum in drei Dimensionen (Position am Himmel und
Wellenlänge). Mit MUSE können noch Galaxien am Rande des beobachtbaren
Universums entdeckt werden, die viel zu schwach sind, um auf zweidimensionalen
Bildaufnahmen zu erscheinen.
Um ein
möglichst großes Gesichtsfeld zu erreichen, nutzt MUSE nicht nur eine einzelne
Spektrographenoptik, sondern kombiniert 24 modulare Subsysteme zu einem
komplexen Gesamtsystem. Jeder Spektrograph ist mit neu entwickelten, empfindlichen
CCD-Detektoren (4000 x 4000 Pixel) ausgestattet, die hier erstmals an einem
Instrument der ESO verwendet werden. Mit der
industriellen Auslieferung des ersten Spektrographen und der ersten Detektoren,
welche zum Teil am AIP integriert wurden, ist nun ein wichtiger Meilenstein
erreicht. „Mit der beginnenden Serienproduktion kommt dem AIP eine bedeutende
Rolle zu“, erklärt Dr. Martin M. Roth, der MUSE-Projektmanager am AIP, „da die
Abnahmetests aller Detektoren, die Kalibration des Gesamtinstruments und die
nötige Datenreduktionssoftware Arbeitspakete des AIP sind“.
Im Jahre
2012 soll MUSE erstmals am Paranal-Observatorium der ESO in der chilenischen
Atacamawüste zum Einsatz kommen und sich dort der Erforschung von jungen, weit
entfernten Galaxien widmen. „MUSE wird eine Vielzahl astrophysikalischer
Probleme untersuchen“, erläutert Prof. Dr. Lutz Wisotzki, der Projektwissenschaftler
von MUSE am AIP. „Die Bandbreite reicht von Sternpopulationen in unserer
Milchstraße bis zu den Vorläufern heutiger Galaxien im jungen Universum, die
bisher völlig unbeobachtbar waren.“
Das
MUSE-Projekt wird, unter der Leitung des Centre de Recherche Astrophysique de
Lyon (CRAL, CNRS/Universität Claude-Bernard Lyon I), von sieben
Forschungsinstituten entwickelt und gebaut: Europäische Südsternwarte (ESO), Leiden
Observatory (NOVA), Laboratoire d’Astrophysique de Toulouse-Tarbes (CNRS/Universität
Paul Sabatier), Institut für Astrophysik (Georg-August Universität Göttingen),
Institut für Astronomie an der ETH Zürich und Astrophysikalisches Institut
Potsdam (AIP).
Kontakt: Wissenschaftler am AIP: Prof. Dr.
Matthias Steinmetz, Tel. 0331 7499 381, E-Mail: Prof. Dr.
Lutz Wisotzki, Tel. 0331 7499 532, E-Mail: lwisotzki@aip.de Dr. Martin M. Roth, Tel. 0331 7499 313, E-Mail:
Wissenschaftler am CRAL: Dr. Roland
Bacon, Tel. +33 6 08 09 14 27, E-Mail:
Pressestelle am AIP: Madleen
Köppen, Tel. 0331 7499 469, E-Mail:
Das AIP beschäftigt sich vorrangig
mit kosmischen Magnetfeldern und extragalaktischer Astrophysik. Daneben wirkt
das Institut als Kompetenzzentrum bei der Entwicklung von Forschungstechnologie
in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Das AIP ist
Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten
Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut
weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Das AIP ist eine Stiftung
privaten Rechts und ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft. Zur
Leibniz-Gemeinschaft gehören derzeit 86 Forschungsinstitute und
Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder, die
wissenschaftliche Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung
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