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MAZ vom 16. Juni 2009
„Potsdamer Köpfe“: Vortrag zur Geschichte der Luftstreitkräfte
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WISSENSCHAFT: Keine Überflieger

POTSDAM / INNENSTADT - Oberstleutnant Harald Potempa vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam (MGFA) trägt nicht nur stolz die dunkelblaue Uniform der Bundesluftwaffe, sondern ist sogar selber Flieger. Im großen Vortragsraum des Alten Rathauses trat ein betont korrekt auftretender Offizier ans Pult und sprach in der Reihe „Potsdamer Köpfe“ knapp eineinhalb Stunden über „Ballone und Flugzeuge in Wolken, Stürmen und Stahlgewittern“. Anlass war ihm dabei ein Jubiläum, das wohl den wenigsten Deutschen bekannt ist und das im medialen Gewitter einer an Ereignissen so reichen Zeit schon mal untergehen kann. Vor 125 Jahren – genauer im Mai des Jahres 1884 – begann insofern die Geschichte der deutschen Luftwaffe, als 30 deutsche Männer in Preußen mit einem Aufstellungsbefehl zu ihren beiden Ballons gerufen wurden. Drei Jahre nach dieser militärhistorischen Epochenwende zogen die Bayern nach und bewiesen damit ebenfalls ihren heute noch unbestrittenen Sinn für technische Innovationen.

Nur 34 Jahre später war aus der anfangs belächelten Schar Luftaufklärer eine Waffengattung gewachsen, die zum technisch Besten gehörte, was das Wilhelminische Heer zu bieten hatte. 80 000 Mann und 4000 einsatzfähige Flugzeuge haben allerdings nicht verhindert, dass der Erste Weltkrieg als Desaster endete und Deutschland mit dem Versailler Vertrag jede Form von Luftstreitkräften verboten wurde. Die Reichswehr reagierte auf das Verbot bekanntlich sehr pragmatisch und kooperierte entgegen aller ideologischen Bedenken mit den Klassenfeinden der im Aufbau befindlichen Roten Armee in Sowjetrussland.

Potempa konzentrierte sich auf die militärische Entwicklung der Luftstreitkräfte bis 1918 und hatte sein Augenmerk auch auf die oft vernachlässigten Helfer der Luftwaffe am Boden gelegt. Immerhin lag bereits damals das Verhältnis von Fliegern und Bodenpersonal bei 1:10. Wenige Angehörige der Luftstreitkräfte waren im Ersten Weltkrieg also in der Luft, relativ selten kam es zu Luftkämpfen und Abschüsse waren ein absolutes Ausnahmeereignis. Die hohe Zahl der Verluste in der deutschen Luftwaffe erklärt sich vor allem aus dem Fakt, dass zwei Drittel der Piloten ohne Feindeinwirkung starben. Abstürze nach Flugfehlern oder wegen technischer Defekte stellten ein großes Problem dar, und auch am Boden war der Krieg für die Fliegerkräfte ein lebensgefährliches Unternehmen.

Warum den Menschen in der Heimat das Bild vom „Ritter der Lüfte“ vorgegaukelt wurde, verriet eine alte Postkarte. „Unsere Helden im Flugkampf“ zeigte ein halbes Dutzend Gesichter von erfolgreichen Piloten, deren hauptsächliche militärische Bedeutung in ihrer Eignung zum fliegenden Siegesboten bestand. Welch ein Betrug. (Von Lothar Krone)

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung







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