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Mittwochsvorlesung am 6. Mai 2009
Franz Ossing: Klima, Wolken und Wetter im Gemälde – zum Thema „Wissenschaft in der Kunst“
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Franz Ossing
Franz Ossing



Kunst und Naturwissenschaft führen heute streng getrennte Leben. Die strikte Teilung von Wissenschaft und Kunst ist aber historisch nicht sehr alt; sie stellen eigentlich zwei Sphären dar, die durchaus zusammengehören.  
Ziel des Vortrages ist, die vielfältigen Beziehungen zwischen Naturwissenschaften und Kunst am Beispiel von Klima, Geologie, Meteorologie und atmosphärischer Optik aufzuzeigen. Das übergreifende Motto des Beitrages lautet: ”The current sharp distinction between the arts and sciences is a historical anomaly.” (Stanley D. Gedzelman, 1991)  
Es ist wärmer geworden auf dem Globus: eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur um 0,8 °C seit rund 130 Jahren gilt heute als nachgewiesen. Grund genug für die Wissenschaftler vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, dem Klima der vergangenen Hunderttausend Jahre nachzuspüren. Die Forschungen zur Klimageschichte am GFZ stützen sich vor allem auf Untersuchungen von Sedimenten in Binnenseen, die durch Algenblüten und andere Ablagerungen gebildet werden. Bei ihren Untersuchungen stießen die Geoforscher auch auf Spuren einer Abkühlungsphase seit Mitte des 16. Jahrhunderts, die bis in das zweite Drittel des 19. Jahrhunderts dauerte. Dieses Phänomen ist als "Kleine Eiszeit" in der Klimaforschung bekannt. Die von Seefahrt und Landwirtschaft geprägte holländische Gesellschaft des 17. Jahrhunderts nahm diese Klimaänderung als Leitthema ihrer Kultur auf. Mit Beginn der Kleinen Eiszeit setzt die holländische Landschaftsmalerei ein, die von Beginn an Wetter und Klima in der Landschaft thematisierte, wie etwa in der häufigen Abbildung von Eisflächen in dieser Epoche.  
Die Erforschung des Klimas in historischen Zeiten hatte schon früh Bezug auf die Gemälde des holländischen „Goldenen Zeitalters“ genommen und ihre Einordnung in naturwissenschaftliche Befunde versucht. Es zeigte sich allerdings, dass die Himmelsdarstellungen keinen direkten Rückschluss auf Wetter und Klima erlauben. Umgekehrt jedoch können die Naturwissenschaften der kunsthistorischen Debatte Argumente liefern.  
Die seit über einem Jahrhundert andauernde Diskussion über den Realismus der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts entfachte sich an Stilleben, Porträts und Seestücken, insbesondere aber an der Darstellung der Landschaft. Dies ergibt sich aus der Tatsache, das um 1650 über die Hälfte der in Holland gemalten Bilder Landschaftsdarstellungen waren. Geowissenschaftler und Meteorologen, die in die Analyse der Bilder einbezogen wurden, konnten einen Beitrag zum Realitätsgehalt der Bilder beitragen. Der heutige Wissenstand zur Debatte über den Realität dieser Malerei lässt sich - kurz gefasst -  so formulieren, dass in den Gemälden die Wiedergabe von Wolken, Klimaelementen und Geologie im Regelfall stimmig ist.  
Die Gemälde der Meister des 17. Jahrhunderts sind aber meistens keine linearen Abbildungen realer Landschaften. Vielmehr handelt es sich um Kompositionen, die sich aus einzelnen, naturnah dargestellten Komponenten zusammensetzen. Es verbietet sich daher für die Klimaforschung, aus den Wetter- und Klimadarstellungen direkte Folgerungen zu ziehen. Erst in der Zusammenschau von Naturwissenschaft und Kunstgeschichte erschließt sich der Informationsgehalt der Gemälde. 

Franz Ossing, Diplom-Meteorologe, geb. 1949 in Gescher/Westfalen, leitet seit Januar 1994 am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam die Öffentlichkeitsarbeit.

Zeit der Vorlesung: 6. Mai 2009, 18.00 Uhr
Ort der Vorlesung: Haus der Generationen und Kulturen, Milanhorst 9 am Schlaatz, 14478 Potsdam   

Pressebericht zur Veranstaltung

Kontakt:
Franz Ossing 
Public Relations –   Helmholtz Centre Potsdam GFZ
German Research Centre for Geosciences    
Deutsches GeoForschungsZentrum
Telegrafenberg  
14473 Potsdam / Germany  

Tel. ++49 (0)331-288 1040
E-Mail an Franz Ossing







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