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Alles grüne Tomate
Nachwuchs-Wissenschaftlerpreis 2008 gestern an Sabine Kahlau verliehen
120 Gene nahm die junge Biologin ins Visier. Anlässlich des
Einstein- tages der Berlin- Brandenburgischen Akademie der
Wissenschaften verlieh ihr Oberbürgermeister Jann Jakobs den Potsdamer
Nachwuchs- Wissenschaftlerpreis.
Von Rüdiger Braun
INNENSTADT Tomaten isst sie gar nicht so gerne. Dass sich
Sabine Kahlau die Gene der Frucht für ihre Doktorarbeit am Golmer
Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie trotzdem genauer
vorknöpfte, hat nicht zuletzt mit dem Interesse der Landwirtschaft an
Tomaten zu tun. Geschadet hat der Biologin die Wahl nicht. Fast
punktgenau zu ihrem 30. Geburtstag ereilte die gebürtige Aachenerin
jetzt die Nachricht, dass sie zur zweiten Trägerin des Ende 2006
erstmals ausgelobten Potsdamer-Nachwuchs-Wissenschaftlerpreises gekürt
worden war. Kahlau hatte sich mit ihrem Vergleich der Gene von
Chloroplasten in der noch grünen Tomaten mit den Genen der
Chromoplasten in der roten Tomate gegen sieben sehr starke Konkurrenten
durchgesetzt. Alle acht Bewerbungen waren aus der Naturwissenschaft
gekommen. Gestern Abend wurde Kahlau im Rahmen des Einsteintages die
mit 5000 Euro dotierte Ehrung offiziell zuteil. Laudator Bernd
Müller-Röber, Molekularbiologe am Max-Planck-Institut für
Pflanzenphysiologie und Jury-Mitglied, erläuterte gestern vor
Journalisten, warum Kahlau verdiente Siegerin ist. „Man kann sagen,
dass Frau Kahlau eine sehr umfangreiche Analyse durchgeführt hat.“ Die
Chloroplasten codieren 120 Gene, die bringen wiederum 70 bis 80
Proteine hervor. Diese Gene zu analysieren, sei unglaublich aufwendig.
Kahlau konnte zeigen, dass im Laufe der Entwicklung von der
grünen zur roten Tomate bis auf ein für die Produktion von Fettsäure
verantwortliches Gen nacheinander alle Gene des Chloroplasten
abgeschaltet werden. „Das Wissen von Frau Kahlau kann verwendet werden,
um Tomaten gentechnisch zum Beispiel für die Produktion von Impfstoffen
zu verändern“, sagte Müller-Röber. „Ich habe zunächst die Plastide
isoliert, was sich als nicht ganz so einfach herausgestellt hat“,
erläuterte Kahlau. „Am Ende hat aber alles sehr schön funktioniert.“
Möglich sei die Arbeit in Potsdam geworden, weil die
Arbeitsgruppe um ihren Doktorvater Ralph Bock schon seit langem an
Chloroplasten forsche. Trotzdem wird Kahlau Potsdam demnächst
verlassen. Im März will sie im australischen Perth nicht nur ihre
Forschungen an Plastiden fortsetzen, sondern auch ihre
Englischkenntnisse erweitern.
Er hoffe, so Jakobs, dass auch andere Wissenschaftler durch
solche Erfolge motiviert werden. Besonders schön fände er es, wenn sich
auch Geisteswissenschaftler für den nächsten
Nachwuchs-Wissenschaftlerpreis bewerben würden.
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