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MAZ vom 22. November 2008
Alles grüne Tomate. Nachwuchs-Wissenschaftlerpreis 2008 gestern an Sabine Kahlau verliehen
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Alles grüne Tomate
Nachwuchs-Wissenschaftlerpreis 2008 gestern an Sabine Kahlau verliehen

120 Gene nahm die junge Biologin ins Visier. Anlässlich des Einstein- tages der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verlieh ihr Oberbürgermeister Jann Jakobs den Potsdamer Nachwuchs- Wissenschaftlerpreis.

Von Rüdiger Braun

INNENSTADT Tomaten isst sie gar nicht so gerne. Dass sich Sabine Kahlau die Gene der Frucht für ihre Doktorarbeit am Golmer Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie trotzdem genauer vorknöpfte, hat nicht zuletzt mit dem Interesse der Landwirtschaft an Tomaten zu tun. Geschadet hat der Biologin die Wahl nicht. Fast punktgenau zu ihrem 30. Geburtstag ereilte die gebürtige Aachenerin jetzt die Nachricht, dass sie zur zweiten Trägerin des Ende 2006 erstmals ausgelobten Potsdamer-Nachwuchs-Wissenschaftlerpreises gekürt worden war. Kahlau hatte sich mit ihrem Vergleich der Gene von Chloroplasten in der noch grünen Tomaten mit den Genen der Chromoplasten in der roten Tomate gegen sieben sehr starke Konkurrenten durchgesetzt. Alle acht Bewerbungen waren aus der Naturwissenschaft gekommen. Gestern Abend wurde Kahlau im Rahmen des Einsteintages die mit 5000 Euro dotierte Ehrung offiziell zuteil. Laudator Bernd Müller-Röber, Molekularbiologe am Max-Planck-Institut für Pflanzenphysiologie und Jury-Mitglied, erläuterte gestern vor Journalisten, warum Kahlau verdiente Siegerin ist. „Man kann sagen, dass Frau Kahlau eine sehr umfangreiche Analyse durchgeführt hat.“ Die Chloroplasten codieren 120 Gene, die bringen wiederum 70 bis 80 Proteine hervor. Diese Gene zu analysieren, sei unglaublich aufwendig.

Kahlau konnte zeigen, dass im Laufe der Entwicklung von der grünen zur roten Tomate bis auf ein für die Produktion von Fettsäure verantwortliches Gen nacheinander alle Gene des Chloroplasten abgeschaltet werden. „Das Wissen von Frau Kahlau kann verwendet werden, um Tomaten gentechnisch zum Beispiel für die Produktion von Impfstoffen zu verändern“, sagte Müller-Röber. „Ich habe zunächst die Plastide isoliert, was sich als nicht ganz so einfach herausgestellt hat“, erläuterte Kahlau. „Am Ende hat aber alles sehr schön funktioniert.“

Möglich sei die Arbeit in Potsdam geworden, weil die Arbeitsgruppe um ihren Doktorvater Ralph Bock schon seit langem an Chloroplasten forsche. Trotzdem wird Kahlau Potsdam demnächst verlassen. Im März will sie im australischen Perth nicht nur ihre Forschungen an Plastiden fortsetzen, sondern auch ihre Englischkenntnisse erweitern.

Er hoffe, so Jakobs, dass auch andere Wissenschaftler durch solche Erfolge motiviert werden. Besonders schön fände er es, wenn sich auch Geisteswissenschaftler für den nächsten Nachwuchs-Wissenschaftlerpreis bewerben würden.







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